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Stadt Emsdetten

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Deutsch-Russisches Museum Karlshorst

Sowjetische Kriegsgräberstätten in Deutschland

Das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst am historischen Ort der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation durch das Oberkommando der Wehrmacht am 8. Mai 1945 zeigt nicht nur eine im Jahr 2013 völlig neu gestaltete Dauerausstellung über die Russisch-Deutsche Geschichte.

In Kooperation mit dem Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin und gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien hat das Museum auch eine Dokumentation „Sowjetische Kriegsgräberstätten in Deutschland“ erstellt. Hier sind 4103 Standorte verzeichnet, an denen Gräber sowjetischer Kriegsopfer des Zweiten Weltkriegs und ihnen gewidmete Denkmale nachgewiesen werden konnten. Erfasst sind zudem auch die Gräber russischer Kriegsgefangener des Ersten Weltkrieges sowie Angehöriger der nach Kriegsende in Deutschland stationierten sowjetischen Truppen.

Auf der Internetseite der Russischen Botschaft in Berlin gibt es eine eigene Rubrik des

In Abstimmung der Stadt Emsdetten, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Bezirksregierung Münster und der russischen Botschaft in Berlin hat die Bezirksregierung Münster im Oktober 2017 Bundesmittel in Höhe von 7.000 Euro für die Instandsetzung der Kriegsgräberstätte bewilligt.

Nachrichten aus Emsdetten

30.08.2018: Einweihung der neugestalteten Kriegsgräberstätte Friedhof Nordwalder Straße

Sehr berührend war die Geschichte von Zwangsarbeiterinnen, die während des zweiten Weltkriegs in den hiesigen Fabriken unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und damit nicht genug. Sie wurden abgeholt und arbeiteten bei Bauern und in Haushalten, in denen sie nicht nur geschlagen und gedemütigt, sondern auch von deutschen Bewachern und männlichen Mitgefangenen sexuell belästigt wurden. Und immer noch nicht genug: nach dem Krieg kamen sie in russische Lager und wurden als Spione verdächtigt und wieder misshandelt, so wissen wir es aus ihren Briefen, vorgelesen von Herrn Heijo Tillmann vom Heimatbund Emsdetten bei der Einweihung der Kriegsgräberstätte an der Nordwalder Straße in Emsdetten.

Rund 50 Besucherinnen und Besucher waren am Donnerstag, den 30. August 2018 zum Friedhof gekommen, um den drei russischen Toten aus dem Ersten Weltkrieg und den 23 Toten (darunter 12 Kinder) aus dem Zweiten Weltkrieg eine letzte Ehre zu erweisen. Die Grabstätte wurde in den letzten Monaten neu gestaltet. Damit soll ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt werden.

Bürgermeister Moenikes eröffnete die Ehrung der Totengedenken und verwies auf die Verantwortung, sich der Vergangenheit zu stellen. Er nahm Bezug auf die Vorgänge in Chemnitz und sagte, dass dies nicht tragbar sei.

Wolfgang Held vom Landesverband Deutsche Kriegsgräberfürsorge NRW e.V. bedankte sich bei allen, die an der Wiederherstellung der Kriegsgräberstätte und den Nachforschungen mitgewirkt hatten. Er sagte, dass es einen Grund habe, dass auf den Gedenksteinen der Text in kyrillischer Schrift abgefasst sei. Zum einen ist dies mit der russischen Botschaft abgesprochen worden, zum anderen wären viele ältere Besucher der Kriegsgräberstätte nicht in der Lage, unsere Schrift zu lesen. Eine deutsche Übersetzung liegt aber im Rathaus aus und kann eingesehen werden.

Bürgermeister Moenikes bedankte sich bei Frau Marianne Woltering, die sich seit 30 Jahren unermüdlich ehrenamtlich um die Pflege der Grabstätte gekümmert hatte. Und noch etwas: Kein Volkstrauertag ohne ihre Mitwirkung! Er übergab Frau Woltering und Herrn Krüler ein Schreiben der Stadt mit einem großen Dankeschön. Er bedankte sich insbesondere auch bei der Familie Achterkamp aus Rheine Mesum, die die Neugestaltung der Grabstätte initiiert und auch intensive Nachforschungen betrieben hatte.

Herr Josef Krüler vom Heimatbund Emsdetten (Arbeitskreis für Familienforschung und Geschichte des Emsdettener Heimatbundes und Gründungsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Emsdetten) sagte, dass die Neugestaltung der Grabstätte auch von ihnen unterstützt wurde. So habe der Heimatbund auf eigene Kosten und als Zeichen gegen das Vergessen einen Ginkgobaum auf der Grabstelle gepflanzt.

Herr Krüler übergab anschließend für all ihren Einsatz Frau Woltering im Namen des Heimatbundes einen Blumenstrauß.

Frau Woltering gab einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Kriegsgräberstätte. Herr Gerhard Spreckelmeyer (Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Emsdetten und lange Jahre Aktiver in der Friedensbewegung) hatte 1960 eine Eingabe an die Stadt Emsdetten gemacht und darum gebeten, dass die Kriegsgräber-Gedenkstätte renoviert wird. Dies wurde auch genehmigt und mit Unterstützung eines ehrenamtlichen Arbeitskreises übernahm der Bauhof Emsdetten die regelmäßige Pflege. Leider waren für die Renovierung der Stelen keine finanziellen Mittel vorhanden. In diesem Zusammenhang wies Frau Woltering auch auf die Gedenkstätten am Hemberger Damm und Föhrendamm hin, die ebenfalls einer Renovierung bedürften.

Sie freue sich sehr, so Frau Woltering weiter, dass die Gedenkstätte nun so hergerichtet wurde und dankte allen Beteiligten.

Herr Pfarrer Norbert Weßel segnete das Kriesgräberfeld und mahnte an, nicht zu vergessen, dass auch heute noch viele Kriege herrschen. Das Gräberfeld bedeutet gelebtes Gedenken. Trost für die Hinterbliebenen, und: dass die Gestorbenen nicht vergessen werden!

Nach der Einsegnung legten die offiziellen Gäste der Gedenkfeier einen Kranz auf der Kriegsgräberstätte nieder.

Herr Held sprach zum Schluss das Totengedenken: Eindrucksvoll seine Mahnung (E. Kant): Der Friede ist das Meisterwerk der Vernunft. Wird es uns gelingen aus den Tränen der Vergangenheit ein Lächeln für die Zukunft zu erwirken?

Text und Fotos: Elke Hülskötter