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zur Website des Ministeriums

vom Ministerium gibt es zu dieser Veranstaltung auch eine

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe "Europaerlesen" finden Sie unter

über Steffen Möller auf

und auf seiner eigenen Website

Das neueste Buch von Stef­fen Möl­ler »Viva War­sza­wa« er­schien 2015 und ist jetzt auch als Ta­schen­buch er­hält­lich bei Piper, 304 Sei­ten ko­sten 10,00 €,
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zur Lesung mit Steffen Möller in Düsseldorf am 07.03.2017

mit dabei eine Delegation des Städtepartnerschaftsverein

v.l.n.r.: Dominika Świętońska (Polnisches Institut Düsseldorf), Michael Serrer (Literaturbüro NRW e.V), Steffen Möller, Jan Sobczak (Generalkonsul Polens), Franz-Josef Lersch-Mense (Minister MBEM.NRW)

Der Städtepartnerschaftsverein Emsdetten ist aufgrund einer überraschenden Einladung des Ministeriums am vergangenen Dienstag zu einer Veranstaltung der Reihe „Europaerlesen“ nach Düsseldorf gefahren.

Steffen Möller, deutscher Schauspieler und Schriftsteller, seit über 20 Jahren in seiner Wahlheimat Warschau zu Hause und bekanntester Deutscher in Polen war zu der Lesung geladen, die vom Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei Herrn Franz-Josef Lersch-Mense in Zusammenarbeit mit dem Literaturbüro NRW veranstaltet wurde.

Den musikalischen Rahmen bildete der noch sehr junge, 15jährige Künstler, Jakob Nilla mit eindrucksvollen Melodien auf dem Akkordeon. Den zweiten Preis beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ hat er sicherlich zu Recht bekommen.

Minister Lersch-Mense eröffnete die Lesung und begrüßte den Generalkonsul der Republik Polen in Köln, Jan Sobczak, die Direktorin des Polnischen Instituts in Düsseldorf, Dominika Świętońska, den Moderator (und Leiter des Literaturbüros) der Lesung, Herrn Michael Serrer und natürlich vor allem Steffen Möller.

Ganz überraschend begrüßte er namentlich die Gäste vom Städtepartnerschaftsverein Emsdetten, die gleich mit einer ganzen Delegation zur Lesung gekommen waren.

25 Jahre gute Nachbarschaft mit dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag im vergangenen Jahr gefeiert, so Lersch-Mense, geben Anlass, über Persönlichkeiten nachzudenken, die mit dazu beigetragen haben. Steffen Möller sei seit über 20 Jahren sozusagen der „Betweener“ zwischen den Kulturen. Als deutscher Schauspieler, Schriftsteller und Lehrer lebt er seit über 20 Jahren in Warschau und gilt als der bekannteste und beliebteste Deutsche in Polen. Er hob Worte von Steffen Möller heraus, wonach er im Zug von Berlin nach Warschau stets Heimatgefühle bekäme. Möller sei der Ansicht, dass die Partnerschaft, die Freundschaft zu Polen und ihren Bürgern auch Spannungen aushalten müsse.

Nein, von einer eigentlichen Lesung kann nicht die Rede sein. Vielmehr sorgte der Moderator Michael Serrer in gekonnter Art dafür, dass der rote Faden des „Europaerlesen“ nicht abriss. Er stellte Fragen, die Steffen Möller gerne beantwortete, und so konnten die zahlreichen Zuhörer viel über sein Leben in Polen und seine Einstellung erfahren. Möller selbst berichtete, dass er auch heute wieder auf der Fahrt nach Düsseldorf von einem Schaffner der Deutschen Bundesbahn (gebürtiger Pole, der in Deutschland lebt und arbeitet) um zwei Autogramme gebeten wurde, das zweite für seine Schwester …

Der Moderator ergriff das Wort (roter Faden!) und fragte Möller nach der polnischen Fernsehserie „L wie Liebe“, inzwischen 8-12 Millionen Polen schauen diese Serie zur Primetime im 2. Programm des Polnischen Fernsehens an. Wiederholt, so Möller, sei er in dieser Serie aufgetreten, als Deutscher, der sich in Polen als Kartoffelbauer niederläßt. Von 2002 – 2009 habe er intensiv mitgespielt. Wobei er anfangs massive Schwierigkeiten gehabt hätte, denn die Polen dachten: das ist doch ein Deutscher. Ein anderer Schauspieler habe die Crew aber überzeugt, denn: er habe eine Polin geheiratet, und er ist „romantisch“.

Der Autor gab den Anwesenden den Hinweis, dass man sich in einem fremden Land, wie z.B. Polen, stets mit Schlüsselwörtern „bewaffnen“ muss. Am besten sei ein Witz.

Im weiteren Verlauf der Lesung sagte Möller, dass Polen und Deutsche sehr viele – auch sprachliche - Gemeinsamkeiten hätten. Keine andere Sprache habe so viele deutsche Fremdwörter wie polnisch. Beispiele wie Dach, Pantoffeln (Pantoffle), Bandit, Porzellan u. v. a. m. belegen dies. Je länger man mit Polen zu tun hat, um so mehr wird man diese Gemeinsamkeiten feststellen. Allerdings, einfach sei die Sprache ganz und gar nicht. Sieben Fälle müssen gelernt werden und er deklinierte einmal zur Freude aller einige Vornamen in der jeweiligen Form.

die „Delegation“ des Städtepartnerschaftsvereins

Der Moderator fragte natürlich auch nach dem letzten Buch von Steffen Möller, „viva Warszawa, Polen für Fortgeschrittene“ ein. Möller sagte, dass sich Warschau im wahrsten Sinne des Wortes nach dem Krieg im Schockzustand befand, nach den vielen grauenhaften Erlebnissen. Das lasse sich der Pole aber nicht anmerken. Krieg ist im Alltag überhaupt nie das Thema, auch die Verschlechterung der politischen Verhältnisse merke man den Polen nicht an.

Natürlich las er auch aus seinem Buch vor. Er brach „eine Lanze“ für Warschau und gab viele Erlebnisse, z. B. mit einer „Krapfenbäckerei“ (Berliner oder Pfannkuchen) zum besten. Auf jeden Fall, so Möller, muss man Warschau gesehen haben: Den Kulturpalast, das Warschauer Ghetto, das jüdische Museum und das Denkmal mit dem knienden Willy Brand. Besonders aber die Altstadt, die – total zerstört im 2. Weltkrieg – von den Polen wieder original aufgebaut worden ist, so dass sich der Besucher im 17. oder 18. Jahrhundert fühlt, wenn er hier ist. Amüsant ging er auch auf die vielen Fahrradwege in Warschau ein, wobei es sich bei den Polen nicht wirklich um ausgesprochene Fahrradbegeisterte handelt. Dabei fiel ihm ein: Und das ist auch wieder ein Unterschied zu Polen und Deutschen. Die Linie, die die Fahrräder von den Fußgängern trennt, ist für Deutsche heilig und es gibt allerhand Aufreger, wenn sich die Betreffenden nicht an die Linie halten. Der Pole, der ärgert sich auch, sagt aber nichts, er klingelt (!) auch nicht, sondern macht einen großen Bogen um denjenigen, der sich falsch verhält.

Im weiteren Verlauf gab er seine Erlebnisse als Deutschlehrer und -prüfer bei Abiturienten zum Besten. In Polen gäbe es z. B. - in Deutschland nicht üblich – Verbesserungstermine für Klassenarbeiten.

Angesprochen auf die gegenwärtige Situation in Polen sagte Steffen Möller, dass viele Polen sich dazu öffentlich nicht äußern, zumal sie auch z. B. durch die enorme Erhöhung des Kindergeldes „ruhig gestellt“ würden. Das Kindergeld ist im Vergleich zu den Löhnen unverhältnismäßig erhöht worden. Andererseits regen sich aber die meisten über die gegenwärtige Schulreform auf. Es herrsche ein totales Chaos an den Schulen, da das alte Modell in kurzer Zeit wieder hergestellt werden soll.

Möller berichtete auch aus eigener Erfahrung, dass das staatliche Fernsehen stark einseitig im Sinne der Regierung politisiert worden ist. Viele Polen weichen auf das private Fernsehen aus.

Im Anschluss an die zweistündige Lesung gab es noch Gelegenheit zu einem kleinen Umtrunk und persönlichen Gesprächen mit Steffen Möller.

Preisgünstig und umweltbewusst ist die Delegation des Städtepartnerschaftsvereins mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem NRW-Ticket hin und zurück gefahren.